Abwehrmechanismen des Borderline-Syndroms Spaltung

Die Spaltung ist der zentrale Abwehrmechanismus bei der Borderline-Störung. Spaltung heißt aktives Auseinanderhalten von jeweils konträren bewußten Ich-Segmenten. Die einzelnen Segmente sind voll bewußtseinsfähig. Durch die Spaltung in gute und böse Segmente schützt sich der Patient vor dem Erleben von Ambivalenz, Trauer, Schuldgefühlen und Wiedergutmachungstendenzen.

Durch das aktive Auseinanderhalten wird Vernichtungsangst abgewehrt. Wird die Spaltung als Abwehroperation eingesetzt, dann weiß der Patient um die Existenz seiner inneren Widersprüche, ohne allerdings darüber jedoch eine emotionale Betroffenheit zu empfinden. Eingeübt wird dieser Mechanismus in den frühen Objektbeziehungen, in denen gute und schlechte Erfahrungen mit einer realen Beziehungsperson (in der Regel der Mutter) sich in Vorstellungen von einem „ganz guten“ und einem „ganz bösen“ Teilobjekt niederschlagen.
In der Borderline-Entwicklung können diese gegensätzlichen Objektbilder auch bei fortschreitender Ich-Reifung nicht integriert werden.

Kennzeichen der Spaltung:

  • Strikte Schwarz-Weiß-Zeichnung ohne Zulassen von Zwischentönen.
  • Menschen in der Umgebung des Patienten sind aufgeteilt in total gute und total böse.
  • Übertragungsspaltung im Team. Ein Teil der Teammitglieder wird als gut nährend, ideal erlebt. Der andere Teil als böse, nicht nährend abgewertet.
  • Das abwesende Objekt wird idealisiert, das anwesende Objekt wird als beherrschend, eindringend erlebt und gehaßt. Es kann zu einem Totstell-Reflex gegenüber dem eindringenden Objekt kommen.
  • Das Mutterbild ist gespalten in eine gute, nährende, schützende, symbiotische Mutter und eine böse, verführerische , verräterische Mutter.
  • Plötzliches Kippen von Idealisierung einer Person zur völligen Entwertung.
  • Gegensätzliche Seiten eines Konflikts beherrschen abwechselnd die Szene.
  • Episodische Durchbrüche von primitiven Impulsen (Essen, Drogen, ausagieren in Sex, schnippeln, weglaufen, etc. Diese Impulse werden ich-syntron während des Durchbruchs erlebt.
  • Fehlende Betroffenheit über die Widersprüche, Verleugnung der jeweils anderen Seite.
  • Ständiges Schwanken der Vorstellung von sich selbst zwischen Größenphantasien und Minderwertigkeit.

Um die Spaltung aufrechtzuerhalten, bedarf es des Einsatzes von zusätzlichen Mechanismen, die die Spaltung unterstützen.

Hilfsmechanismen der Spaltung:

  • Verleugnung
  • Externalisierung
  • Primitive Idealisierung
  • Omnipotenz und Entwertung
  • Projektive Identifizierung

Kennzeichen der Verleugnung:

  • Tendenz zur Generalisierung - alles wird verleugnet
  • Weigerung nicht nur den spezifischen Konflikt wahrzunehmen, sondern einen weiten Teil der Realität, der mit dem Konflikt zusammenhängt.
  • Gefahrensignale selbst werden ignoriert (Selbstgefährdung durch Tollkühnheit)
  • Sogenannte regressive Desymbolisierung, d.h. psychische Vorgänge werden so behandelt, als wären es konkrete Dinge. Innere Realität wird behandelt, als seien sie äußere. In Konflikten tauchen innere Bilder auf, die als real gewertet werden, sogenannte kindliche Geisterwelt. Im Gegensatz zur Psychose ist sich der Patient allerdings bewußt, daß diese Bilder innerpsychischer Natur sind.