Besuch beim Landesbehindertenbeauftragten von Rheinland Pfalz Ottmar Miles-Paul

Klaus Laupichler 

Als schwäbischer Gastarbeiter in Sachen Heime und anderen Wohnformen durfte ich in die Landeshauptstadt von RLP nach Mainz fahren. Für mich fangen solche Reisen immer in meiner Landeshauptstadt Stuttgart an.

 

Wehmütig, denn der Hauptbahnhof soll tiefer gelegt werden und bei Ein- und Ausfahrt sind unübersichtbar der neue Gebäudekomplex der Landesbank Baden – Württemberg. Führ ragte nur der guten Stern der Straßen über dem Hauptbahnhof, heute wird man flankiert von der LB-BW.
So fuhr ich am 21. 7. los mit meiner ewigen Hoffnung, dass dieser Gebäudekomplex einmal in das große Loch von Stuttgart 21 versinkt, mitsamt dem Landesvaters.

In Mainz durfte ich in dem Hotel INNpendence übernachten. Das war schon mal eine positive Überraschung, mal eine sinnvoller Arbeitsform für Mitmenschen mit Handicape zu erleben. So kam ich doch sehr erfreut in das Ministerium für Soziales, Arbeit und Frauen.  Einwenig zu früh, aber wenn man diese Chance hat endlich mal gehört zu werden, dann kommt man sehr gerne zu früh. Ich hatte mir einige Punkte notiert und es sollte vor allem um das Projekt der Behindertenbeauftragen Silvia Schmidt gehen „ Daheim statt im Heim“.

Ich wurde sehr höflich und gastfreundlich empfangen, mußte allerdings warten, was bei der Arbeits- und Termindichte solcher Menschen eigentlich normal ist.

Herr Miles-Paul empfing mich dann fröhlich und fragte mich ganz direkte nach meinen Gedanken zu geschlossenen Heime. Ade, der Vorsatz ruhig zu argumentieren; ade, der Vorsatz den anderen Aussprechen zulassen; ade, mein Konzeptzettel für das Gespräch.

Aber ich stieß auf viel wohltuendes Interesse und Verständnis. So redeten wir fast zwei Stunden. Folgendes waren unsere Themen:

  • Geschlossene Heime. Ich lehnte das u.a. mit dem Argument ab, dass da auch die Motivation und das Engagement der Mitarbeiter in Einrichtungen nachlässt, wenn es eine Möglichkeit uns Betroffene in eine geschlossene Unterbringung abzuschieben gibt.
  • Leider hat der Arbeitskreis „ Daheim statt im Heim“ keine finanziellen Reserven, dass ein armer Selbsthilfeverband wie LVPE-RLP, die Möglichkeit finanziert wird, dass ein Vertreter von ihm zu seinen Sitzungen nach Berlin reisen kann. Wir müssen hoffen, dass die Organisatoren in die nächste Legislaturperiode des Bundestages gewählt werden.
  • Gemeinsam waren wir der Meinung, dass wir für Arbeitsmöglichkeiten für
    Psychiatrie-Erfahrene sind, die uns fordern und fördern. Mitarbeiten in der Kommune oder im „Dorfladen“ nach dem Prinzip der CAP-Märkte.
  • Eine bessere finanzielle Unterstützung von PE und ihre Projekte. Beratung von Betroffene für Betroffene.
  • Für uns Psychiatrie - Erfahrene die nach den Bedingungen der Grundsicherung
    leben, ist es kaum möglich ein Honorar für Artikel und Redebeiträge zunehmen, wie die Profis und Angehörigen. Andererseits wird man immer mehr genötigt, einen hohen Tagungsbeitrag zu zahlen um überhaupt gehört zu werden. Hier wollte sich auch Herr Miles-Paul kümmern.

Nach dem wohltuenden Gespräch, ging ich fröhlich zur Bushaltestelle. Ich war erleichtert, dass Herr Miles-Paul auch eine schwäbische Vergangenheit hatte und wir uns gut verständigen konnten. Aber als ich dann das monströse Schild LB-BW direkt im Regierungsviertel von Rheinland Pfalz sah, war ich doch geschockt. Soweit isch es scho komma, die hemma au scho kauft. Oh Schwabaland, gelobtes Land, Mainz du brauchscht hoffentlich koin neua Bahnhof.

Klaus Laupichler,  Herbrechtingen schwäbische Ostalb