Omnipotenz und Entwertung
Hinter den Gefühlen der Unsicherheit, Minderwertigkeit und Scham liegen oft verborgene, sorgfältig gehütete Größen- und Allmachtsphantasien. Auf diese sogenannten narzißistischen Größenphantasien kann man sich zurückziehen:
- Als Reaktion auf Enttäuschung durch den idealisierten Menschen, indem man die Illusion der Unabhängigkeit von diesem Menschen (Größenphantasie) aufrechterhält.
- Als Trost nach Kränkungen, vor allem nach Erfahrung des Nicht-Geliebt-Werdens, oder noch schlimmer nach Erfahrung des Nicht-Liebens-Könnens. Dieser Rückzug auf Größenphantasien geht einher mit Entwertung des anderen. Durch diese Entwertung wird der andere, der einen enttäuscht hat, fallengelassen wie eine heiße Kartoffel.
Stufen der Entwertungen:
- Idealisierung des anderen, der als vollkommen, allmächtig erlebt wird.
- Kippen der Beziehung oft durch kleinste Kränkung.
- Entwertung des anderen. Er wird total bedeutungslos und wird ohne Trauer aufgegeben, „weggeworfen wie eine ausgequetschte Zitrone“. Er ist nicht mal wert, daß man ihn haßt.
- Rückzug auf Größenphantasien und der Illusion der Unabhängigkeit von diesem Menschen.
Der unbewußte Zweck der Entwertung:
- Spaltung in gute und böse Objekte kann aufrechterhalten bleiben.
- Durch die Entwertung kann die Erfahrung der Ambivalenz erspart werden.
- Die Entwertung verhindert die volle Projektion der eigenen Wut auf den anderen, wodurch dieser zu einem gefürchteten Verfolger werden könnte.