Primitive Idealisierung

Idealisierung ist ein normaler Bestandteil der Entwicklung. Frühe Idealisierung kann aber zu Abwehrzwecken fortbestehen und zu einem unerläßlichen Hilfsmittel der Spaltung werden. Unter primitiver Idealisierung versteht man, daß ein anderer Mensch als total gut, vollkommen, allmächtig,  unerschöpflich erlebt wird. Verkannt wird die Unvollkommenheit und Begrenzung der idealisierten Person.

Die primitive Idealisierung ist kein wirkliches Interesse an diesem Menschen, sondern ein Schutzmechanismus, und zwar dient dieser idealisierte Mensch dazu, einen gegen eine böse Umwelt zu schützen. Auch wird dieser sogenannte gute Mensch gegen jede Angriffe von außen verteidigt. Andererseits muß man die eigenen Aggressionen gegen diesen Menschen nach außen projizieren, um die Idealisierung aufrechtzuerhalten, um so an seiner phantasierten Allmacht teilhaben zu können.
Mit zunehmender Reifung können sowohl die guten als auch die bösen Eigenschaften an dieser Person wahrgenommen werden. Mit der Wahrnehmung der bösen Eigenschaften ist Trauer verbunden, daß dieser Mensch eben auch nur ein Mensch ist. Zugleich tritt Ambivalenz auf, daß man diesen Menschen lieben und hassen kann. Schuldgefühle werden spürbar, da man die bösen Seiten dieses Menschen ablehnt. Die Trauer, Ambivalenz und Schuldgefühle müssen ausgehalten und verarbeitet werden, und erst dadurch wird man wirklich beziehungsfähig, so daß man sich in den anderen einfühlen kann und auch realisiert, daß er eigene Bedürfnisse hat. So wird das Bedürfnis nach einem allmächtigen Gegenüber abgelöst durch realistische Einschätzung der eigenen autonomen Möglichkeiten.